Von Zernez nach Venedig

Sonntag 23. August 2009: Sempach-Neuenkirch – Zernez mit dem Zug, Zernez – Il Fuorn per Velo

Der Start zu unserer Veloreise erfolgt mit dem Zug. Nach mehrmaligem, problemlosem Umsteigen treffen wir am Mittag in Zernez ein. Ab hier heisst es trampen. Zuerst verläuft unser Weg noch eben. Aber die Steigung beginnt schon sehr bald. Margrit muss bei der ersten heftigen Steigung absteigen und schieben. Es ist heiss und der Verkehr ist auch nicht ohne. Zudem versperrt uns eine Baustelle mit Rotlicht den Weg nach oben. Von 1896 Höhenmetern geht es zu unserem Verdruss wieder 200 Höhenmeter runter, zwar in rassiger Fahrt, aber eben, das muss nun wieder „erkrampft“ werden. Zum Glück ist es nicht mehr sehr weit, und wir haben unser Tagesziel, das Hotel Il Fuorn erreicht. Es liegt 1794 Meter über Meer. Wir bringen unser Gepäck auf das vorbestellte Zimmer und machen uns für eine Wanderung im Nationalpark bereit. Wir marschieren zum Parkplatz 7 und von da noch ein Tal hinauf (lieber zu Fuss als mit dem Velo!!!!). Wir geniessen die schöne Landschaft. Auf dem Weg bewundern wir die Bäume, einen „Steinkopf“ und die Murmeltiere. Im Hotel zurück machen wir uns frisch unter der Dusche. Draussen hat es Leute, die durch den Feldstecher ganz angestrengt die Umgebung absuchen. Was sehen sie wohl? Hirsche oder einen Bären??? Wir setzen uns ins Restaurant und bestellen unser Nachtessen. Peter geniesst Capuns mit Salat und Margrit einen Rüeblisalat mit Pistazien und Limetten. Dazu trinken wir einen feinen Wein. Alles schmeckt ausgezeichnet.
Wir sind heute 15,2 km gefahren.

Montag 24. August: Il Fuorn – Passo dal Fuorn – Müstair – Glurns und dem Etsch entlang nach Meran

Wir haben beide sehr gut geschlafen. Um 7 Uhr gehen wir zum Frühstück. Nachher packen wir fertig, und ab geht’s aufs Velo. Zuerst bergauf, aber nicht nur. Zwischendurch steigt es nicht so stark, so dass ich nicht nur schieben muss. Wir erreichen den Passo dal Fuorn viel schneller als wir geglaubt haben. Die Abfahrt ist rasant und schnell. In Müstair machen wir einen Zwischenhalt und besuchen die Klosterkirche Sankt Johann. Gleich nach Müstair fahren wir über die Grenze nach Italien. Kurz vor Glurns verpassen wir die Einfahrt in den Etschradweg. Der Umweg ist aber sicher nicht sehr gross. Nun sind wir zusammen mit sehr vielen andern Velofahrern unterwegs. Wir fahren durch Obstplantagen mit fast reifen Äpfeln: herrlich! Das Tal wird immer weiter. Die Berge auf beiden Seiten bleiben aber hoch. Es geht mehrheitlich bergab, aber es bläst uns ein starker Wind ins Gesicht! Der Etschradweg ist sehr gut markiert und wunderbar angelegt. Wir fahren am Zentrum von Meran vorbei, immer in Richtung Bozen. Auf der Suche nach einer Unterkunft sehen wir das Schild: “Biene**“. So finden wir unsere Unterkunft am Stadtrand von Meran, sogar mit Pool zum Schwimmen und Abkühlen. Nach dem Frischmachen gehen wir zu Fuss ins Zentrum von Meran. Auf dem Thermen-Kurplatz nehmen wir unser Nachtessen ein. Peter isst eine Pasta mit Pesto und Rosenblättern, Margrit geniesst Melone und Pfirsich. Dazu trinken wir einen Lagreiner. Wir geniessen noch etwas den Abend in Meran und fahren vom Theaterplatz mit dem Bus zurück zur “Biene“.
Wir sind heute 104,3 km gefahren.

Dienstag 25. August: Meran – Bozen –Kaltern – Auer –Trento – Romagnano/Matarello

Wir haben in der Pension “Biene“ sehr gut geschlafen. Nach einem feinen Frühstück und einem Schwatz mit Herrn Gruber fahren wir ab in Richtung Bozen, auf dem Etschradweg. Auf der Höhe von Bozen zweigen wir ab nach Kaltern. Auf ansteigendem Veloweg mit zwei Tunnels, früher wohl eine Bahntrasse, erreichen wir Eppan, kurz darauf, wieder nach einer Steigung, Kaltern. Auf dem Marktplatz ist Bauernmarkt. Wir kaufen Trauben und Zwetschgen für unser Mittagessen ein. Nachher geht es in rasanter Fahrt durch die Rebberge an den See. Wir verpassen eine Badegelegenheit und kommen so bei Auer an den Etschradweg zurück. Beim Mittagessen auf einem der schönen Rastplätze treffen wir eine Familie aus Ludwigsburg. Ihr Ziel ist ebenfalls Venedig. Unterwegs treffen wir mehrmals grosse Radlergruppen aus Deutschland. Im Laufe des Nachmittags gibt es immer wieder sehr viel Gegenwind. Wir fahren an Trento vorbei nach Matarello. Leider öffnet das Hotel erst um 17.30 Uhr. Solange wollen wir nicht warten. Darum fahren wir zurück nach Romagnano. Wir haben ein wunderschönes Zimmer in der Locanda de l’Arguta. Zum Essen müssen wir nach Matarello, was wir nach einer wohltuenden Dusche auch tun. Wir gehen zu Fuss. Der heutige Tag war sehr heiss. In einer Bar trinken wir ein Glas Wein und ein Bier. Nachher geht’s in die Pizzeria. Peter isst eine Pizza alta Adige mit Salat und Margrit einen gemischten Salat. Dazu trinken wir Wein.
Wir sind heute 107,2 km gefahren.

Mittwoch 26. August: Romagnano/Matarello – Verona

Auf geht’s nach einer erholsamen Übernachtung und einem feinen Frühstück. Was wird der Tag uns heute bringen? Sicher werden wir nicht frieren, denn Hitze kündigt sich an. Wir fahren auf dem Veloweg durch die Rebenlandschaft, der Etsch entlang. Teilweise sind die Rebbauern schon bei der Traubenernte. Bei Borghetto ist der Radweg plötzlich fertig. Wir finden keine Fortsetzung. Also heisst es, auf der Strasse weiterfahren. Wer behauptet, wenn man einem Fluss entlangfährt, ist alles flach, der liegt falsch. Auch heute geht es wieder in die Hügel. Wir fahren über Belluno, Canale, Rivoli nach Ponton. Hier wissen wir nicht mehr weiter. Wir halten einen Velofahrer an. Er fährt uns vor, nach oben, an den Etschkanal. Das wird mal ein Veloweg, wenn er fertig gebaut ist. Der Weg ist zwar abgesperrt, aber die Einheimischen wissen, dass man trotzdem fahren kann. Bei Bussolengo führt er uns an einem Brunnen zum Trinken. Da hat man eine tolle Sicht auf Pescantina. Weiter geht die Fahrt dem Kanal entlang. Kurz vor Verona treffen wir wieder auf die Etsch. Unser Begleiter verlässt uns, vorher sagt er uns aber noch, wie wir am besten in Verona einfahren. Wir fahren über die Ponte Castelvecchio. Da wir vom letzten Jahr her Verona etwas kennen, ist es nicht so schwierig, sich in der Stadt zurecht zu finden. Wir fahren zur Arena, von da in Richtung Bahnhof. Schon beim ersten Hotel finden wir ein Zimmer. Es ist das Hotel Sanmicheli, ein Zwei-Sterne-Hotel im Zentrum. Nach dem Duschen gehen wir in die Stadt und geniessen das Dolcefarniente. Es hat viele Touristen. Auf der Piazza delle Erbe setzen wir uns zu einem Apero. Nachher geht es zurück in die Nähe der Arena, in eine Seitengasse, zum Nachtessen. Peter geniesst Spaghetti fata alla casa con asino ragout und einen gemischten Salat. Margrit isst einen gemischten Salat. Dazu trinken wir, wie immer, einen feinen Wein.
Wir sind heute 101,5 km gefahren. 

Donnerstag 27. August: Verona – San Giovanni – Leniago – Badia Polesine

Nach einer etwas sehr lauten Nacht bekommen wir unser Frühstück erst um 8.00 Uhr. Dann geht’s los. Zuerst fahren wir zum Palio, um zu schauen ob Gigi, den wir letztes Jahr kennen lernten, da ist. Wir drehen eine Runde um den Palio, Gigi treffen wir aber nicht. Es ist niemand da. Also geht’s weiter. Wir erwischen die richtige Strasse. Es hat aber sehr viel Verkehr. In Ronco gehen wir Wasser einkaufen. Es ist sehr heiss. Nach Ronco müssten wir über eine Brücke. Da sehen wir eine Schotterstrasse auf dem Adigedamm. Wir beschliessen, das Risiko einzugehen und von der Strasse auf den Damm zu wechseln. Später stellt sich heraus, dass das ein sehr guter Entscheid war. Nach einigen Kilometern ist die Strasse neu gemacht, also eine Asphaltstrasse. Später lesen wir auf einer Tafel, dass hier ein Radweg von den Alpen bis zur Adria gebaut wird. Wir sind also etwas zu früh dran mit unserer Veloreise nach Venedig. Es ist unsäglich heiss. In Leniago fahren wir mit dem Lift vom Damm runter in die Stadt. Peter geht einkaufen. Er bringt Milch, eine Melone, Feigen und Pfirsiche. Wir setzen uns in einem Park in den Schatten und geniessen die feinen Sachen. Nachher geht’s mit dem Lift wieder hoch auf den Damm, und die Fahrt an der Sonne geht weiter. Eine Zeitlang geniessen wir noch den Asphaltweg. Später müssen wir wieder mit der Schotterstrasse vorlieb nehmen. Es wird immer heisser und heisser. Wir suchen den Schatten, aber der ist sehr rar. In Badia Polesine suchen wir ein Hotel. Wir finden aber nur ein Drei-Sterne-Park-Hotel. Wir schauen es uns von aussen an und beschliessen, trotz der Hitze, weiter zu fahren. Zuerst gehen wir aber in einer Bar kaltes Wasser trinken. Also wieder aus der Stadt hinaus und auf die Landstrasse. Kurz nach Stadtende kommt ein Wegweiser, der nach links zu einem Agriturismo zeigt. Kurz entschlossen zweigen wir ab. Nach etwa 500 Metern stehen wir vor einem alten Landsitz. Wir läuten. Eine etwas ältere, sehr gepflegte Frau öffnet uns. Wir bekommen ein Zimmer mit Frühstück für 55 Euro. Wir gehen mit ihr ins Haus. Das Haus hat hohe Räume und grosse Zimmer. Die Einrichtung ist dem Stil des Hauses entsprechend. Herrlich!!!! Heute ist wirklich ein Glückstag. Nach dem Duschen setzen wir uns in den Garten zu einem Glas Wein. Uns gefällt es hier sehr gut. Wir können hier auch essen. Die Besitzerin kocht persönlich. Peter bekommt als Vorspeise serviert: Verdure al Forno, dazu Papardelle mit geschnetzeltem Lammfleisch, nachher Patate con rosmarino, gefüllten Braten aus verschiedenem Fleisch, Geflügelfleisch mit Risotto und Speck, danach einen gemischten Salat. Zum Dessert gibt es ein Stück Kürbiskuchen, Kaffee Grappa Coretto, und das alles kostet 16 Euro. Margrit bekommt einen gemischten Salat und nachher eine Nektarine. Wir geniessen den Abend in einem herrlichen Raum mit vielen antiken Sachen.
Wir sind heute 78,5 km gefahren. 

Freitag, 28. August: Badia Polesine – Lusia – Anguillara – Cavarzere – Chioggia

Wir haben ausgezeichnet geschlafen. Das Frühstück serviert uns der Hausherr persönlich. Er erzählt uns auch, wie er und seine Frau 1989 dazu gekommen sind, dieses Haus zu übernehmen. Als wir losfahren, hat es sehr starken Nebel. Es ist feucht und schwül. Nach kurzer Zeit sind wir ganz durchnässt, ob von der Feuchtigkeit oder vom eigenen Schweiss, das wissen wir nicht. Grösstenteils fahren wir auf Nebenstrassen, die aber sehr gut ausgebaut sind. Sie folgen der Adige oder Kanälen. Wir fahren Kilometer weit Maisfeldern entlang. Wir sehen Fasane und vermutlich auch Seidenreiher. Zum Glück finden wir immer wieder Bars, um unsern Wasserverlust zu ergänzen. Wir beide leiden in der grossen Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit. An einer Strassenkreuzung kaufen wir unser Mittagessen ein. Es besteht aus Trauben, Äpfeln und Pfirsichen. Wir suchen einen Schattenplatz, was sich als nicht so einfach herausstellt. Wir beschliessen, die Velos auf der Strasse zu lassen. Wir steigen runter an den Adige in den Schatten grosser Bäume. Es ist eine ehemalige Schafweide, die dementsprechend stinkt und schmutzig ist. Aber im Moment ist der Schatten wichtiger. Die Einfahrt nach Chioggia ist besonders heiss. Viele neue Kreisel, die zum Teil noch im Bau sind und sehr viel Verkehr dazu. Wir fahren in Richtung Meer. Fast ganz vorne finden wir in einer Seitengasse im Hotel Miki ein Zimmer mit Frühstück. Peter packt seine Badehose und geht im Meer schwimmen. Margrit stellt sich unter die Dusche und geniesst die Abkühlung. Nachher geht es schnell ans Meer. Wir geniessen das Treiben am Strand und in einer Strandbeiz einen Apero. Später spazieren wir Richtung Altstadt. Der Weg führt über eine Brücke, denn die Altstadt ist auf einer Insel mit Kanälen, wie Venedig. Zuerst trinken wir in einer Fischerbeiz ein Glas Wein. Nachher geht’s weiter. Wir sehen hier sehr viel Elektrovelos. Warum das so ist, finden wir nicht heraus. Es ist sehr viel los und es hat viele Italiener hier. Morgen gehen in Italien die Ferien zu Ende. Also geniessen es alle noch. Wir suchen uns ein Restaurant in einer Seitengasse. Peter isst eine Insalata mista und Grillata mista. Es sieht sehr toll aus und soll auch sehr gut schmecken. Margrit isst Pomodori. Dazu trinken wir einen feinen Weisswein. Nachher gehen wir zu unserem Hotel zurück. Es ist noch ganz viel los in der Altstadt, aber auch dem Strand entlang. Es hat Rummelplätze mit Karussells und viele offene Bars und Restaurants. Anscheinend will heute niemand ausser wir beide ins Bett gehen.
Wir sind heute 79,7 km gefahren. 

Samstag, 29. August: Chioggia – Pellestrina – Lido – Venezia

Wir haben sehr gut geschlafen. Zum Glück ging unser Zimmer nicht auf die Strasse, sondern auf den Hinterhof hinaus. Nach einem italienischen Frühstück, aber mit frischen Brötchen fahren wir los, auf dem Veloweg in die Città Vecchia. Hier kaufen wir die Fahrkarten für die Überfahrt nach Pellestrina. Also geht es zuerst mit dem Velo auf ein Schiff. Pellestrina ist eine schmale Insel bestehend aus einer schmalen Strasse der Küste entlang, einer Häuserreihe und einer Autostrasse. Wir fahren auf der Küstenstrasse. In einer Bar geniessen wir noch die Italianita der Insel und schauen dem Treiben der Bewohner zu. Auf der Küstenmauer sitzend putzt der Wirt Muscheln. Etwas weiter vorne grillt ein Mann Fische. Hausfrauen kommen mit einem Gefäss die Fische kaufen, denn es ist bald Mittag. Eine Nonna, die so breit wie hoch ist, führt Zwillinge spazieren. Wir geniessen es. Am Ende der Insel müssen wir auf das nächste Schiff warten. Peter findet in den Felsen eine Gottesanbeterin. Wir benützen die Gelegenheit, hier unser Mittagessen einzunehmen. Das Schiff führt uns dann zum Lido di Venezia. Jetzt geht es wieder der schmalen Insel entlang. Hier ist alles einfach viel vornehmer als auf Pellestrina. Wir suchen die Anlegestelle zur Überfahrt nach Venezia, aber die Personenschiffe nehmen keine Velos mit. Wir müssen ganz zum Ende der Insel fahren und mit der Fähre nach Venezia übersetzen. Es ist ziemlich anstrengend, denn wir haben wieder einmal Gegenwind. Wir finden dann die Anlegestelle der Fähre doch noch. Bis zur Abfahrt müssen wir noch etwas warten. Das gibt uns die Gelegenheit, etwas Kaltes zu trinken. Mit der Fähre fahren wir an San Marco vorbei. Bei der Endstation Tronchetto steigen wir aus. Jetzt müssen wir nur noch den Weg zum Bahnhof von Venedig finden. Irgendwie klappt es. Wir fahren neben den Geleisen in den Bahnhof. Das Hotel finden wir sehr schnell. Unsere Zimmer sind reserviert. Aber die Velos stellen ein Problem dar, denn sie sind hier nicht willkommen. Peter geht los, und versucht es am Bahnhof zu lösen. Schliesslich kann er sie in einem Parkhaus auf der Piazza Roma für 10 Euro per Velo und Tag einstellen. In der Zwischenzeit hat es zu regnen begonnen. Peter kommt nass aufs Zimmer. Nach einer erfrischenden Dusche gehen wir mit dem Schirm bewaffnet in die Stadt. Wir müssen unsere 24-Stunden-Karte, die wir in Chioggia gekauft haben, noch ausnützen. Wir fahren mit dem Boot zum San Marco. In der Zwischenzeit ist das Gewitter vorbei. Wir geniessen das Leben in den Gassen und fahren auf dem Canale Grande zurück zu unserem Hotel. Wir lassen den Schirm im Hotel und suchen ein Restaurant zum Essen in unserem Quartier. Wir vermuten, dass es hier etwas günstiger ist als im Zentrum. Also wählen wir das Restaurant aus, das gleich unter unserem Schlafzimmer ist. Peter isst Spaghetti neri mit Sepia und nachher einen Fisch mit Frites. Margrit geniesst eine Insalata mista. Nach dem Essen ziehen wir noch etwas im Quartier herum. Wir müssen ja morgen nicht mehr Velo fahren und darum auch nicht so früh ins Bett. Also lassen wir uns noch ein oder zwei Glas Wein schmecken.
Wir sind heute 31,7 km gefahren, im Ganzen sind das also fast 530 km.

Sonntag, 30. August: Venezia

Wir haben beide gut geschlafen. Die Betten sind gut, und das Zimmer liegt ruhig. Nach dem Frühstück, das im Vergleich zu früheren Zeiten reichhaltiger ausfällt, gehen wir in die Stadt. Wir wollen heute Venedig zu Fuss erkunden. Als erstes geht es zur Ponte Rialto, von da zum San Marco. In einem Park bei San Marco picknicken wir. Nachher gehen wir zur Santa Maria della Salute. Von dort spazieren wir zurück zu unserem Hotel. Es sind sehr viele Touristen unterwegs. Sobald man aber etwas ausserhalb der Hauptverkehrsachsen ist, ist man fast allein oder nur mit Einheimischen zusammen. Eine unserer Hauptbeschäftigungen heute ist das Kartenschreiben. Eine andere Beschäftigung ist das Treppensteigen über die Brücken, anstelle des Velofahrens. Wir ruhen uns im Hotel etwas aus, bevor wir zum Essen gehen. Zuerst genehmigen wir uns einen Apero. Wir müssen aber feststellen, dass Venezia nicht gleich ist wie das übrige Italien. Zum Apero gibt es nicht einfach so Oliven oder Ähnliches. Zum Nachtessen gehen wir über die Piazzale Roma an den Rio Novo. Peter isst Spaghetti neri und ich eine Insalata mista. Nachher gehen wir in unseren Stadtteil zurück. Wir laufen in Richtung Rialto. Peter genehmigt sich beim Asiaten noch eine Portion Frites, dazu trinken wir einen mezzo litro die vino bianco. In den Gassen ist immer noch sehr viel los. Wir gehen aber trotzdem in unser Hotel zurück zum Schlafen. 

Montag, 31. August: Venezia – Punta Sabioni – Burano – Murano – Venezia

Wir haben wieder gut geschlafen. Nach dem Frühstück gehen wir zur Statione FS. Die Fahrkarten für die Heimreise haben wir zwar schon, aber wir wollen nochmals auf den Fahrplan sehen wegen des vielen Umsteigens. Vielleicht finden wir eine bessere Verbindung. Dem ist aber leider nicht so. An der Schiffsstation kaufen wir eine 12-Stundenkarte für die Vaporetti. Unser erstes Ziel ist Burano. Dazu müssen wir am San Marco umsteigen und warten. Zuerst fahren wir dann aber zur Punta Sabioni. Das ist die Landzunge, die von Jesolo herkommt. Hier hat es ausgesprochen viele Touristen, auch Schweizer, die mit dem Schiff nach Venedig fahren. Wir trinken einen Kaffee und fahren dann weiter nach Burano. Dieser Stadtteil ist sehr hübsch mit seinen farbigen kleinen Häusern. Hier hat es viele Souvenirgeschäfte mit Glaswaren und Textilien. Wir kaufen Früchte und essen sie an der Hafenmole. Mit dem Vaporetto fahren wir nach dem Mittag weiter nach Murano. Hier ist nun wirklich das Glashandwerk mit den vielen Manufakturen zuhause. Wir schauen uns die Kunstwerke an. Viele gefallen uns sehr gut. Sie sind aber auch entsprechend teuer, also nichts für uns. Weiter geht’s mit dem Vaporetto an San Michele, der Friedhofsinsel, vorbei zurück zum San Marco. Hier beschliessen wir, zur Insel San Giorgio zu fahren. Wir besichtigen die Kirche und fahren mit dem Lift auf den Turmplattform hinauf. Hier haben wir eine wunderbare Aussicht. Wir sehen, wie Venedig angelegt ist in der Lagune. Wir können all die Inseln bis nach Burano, sogar bis zum Lido erkennen. Nachher trinken wir im Schatten ein Glas Wein. Es ist wieder sehr heiss heute. Zum Glück müssen wir nicht Velo fahren. Nun wollen wir zu unserem Hotel zurück. Wir brauchen aber immer wieder ein Vaporetto zum Übersetzen. So kommen wir zur Isola Giudecca. Wir spazieren dem Canale della Giudecca entlang. Zwischendurch setzten wir uns in ein Restaurant und geniessen unseren Aufenthalt. An uns vorbei fahren verschieden grosse Schiffe. Es sind Kreuzfahrtschiffe, aber auch ein 5-Master der “Wind Surf“ heisst. Wir marschieren weiter, der Insel entlang und kommen zum Hotel Hilton Molino Stucky. Es scheint uns, dass da eine Fabrikanlage mit sehr viel Geld in ein Hotel umgebaut wurde. Bei der letzten Vaporetto- Haltestelle auf der Insel nehmen wir das Boot und fahren bis zur Ferrovia, unserer Hotelhaltestelle. Im Hotel machen wir uns frisch zum Nachtessen. Wir wollen zum Nachtessen an den Canale Grande gehen. Wir haben Glück, wir bekommen noch einen Platz auf einer Terrasse über dem Kanal. Peter isst Orecchiette con Pomodori, Meerbarbenstücklein und Ruccola nachher noch una Frutta mista della Laguna. Ich esse Insalata mista. Dazu trinken wir natürlich einen guten Wein. Nach dem Essen gehen wir einen Espresso trinken. Dann geht’s weiter noch zu einem Bier und einem Glas Wein. Danach können wir ruhig schlafen, denn die Hotelrechnung ist bezahlt. 

Dienstag, 1. September: Heimreise

Der Wecker sollte um 06.00 Uhr läuten, aber wir erwachen schon eine Stunde vorher. Nach dem Packen geht’s zum Bahnhof. Wir verabschieden uns im Hotel. Kaum sind wir draussen, werden wir zurückgerufen. Wir hätten die Hotelrechnung nicht bezahlt, meint der Concierge. Margrit wird etwas hässig und ist auch beleidigt. Sie zeigt ihm die Quittung. Da muss er feststellen, dass sein Kollege einen Fehler gemacht hat. Aber er entschuldigt sich nicht mal für seine Beschuldigungen. Margrit ist immer noch wütend. Am Bahnhof hütet Margrit das Gepäck, und Peter geht die Velos holen. Er kommt mit der freudigen Mitteilung zurück, dass er nicht 60 sondern „nur“ 40 Euro für die Unterbringung zahlen musste. Unser Zug steht schon bereit. Wir laden unsere Velos ein und suchen uns einen Platz. Peter geht noch Kaffee und ein Gipfeli kaufen. Jetzt kann die Reise beginnen. In Verona haben wir zwei Stunden Aufenthalt. Peter geht Mittagessen einkaufen. Nachher geht‘s bis Mailand. Hier müssen wir den Bahnhof wechseln. Wir kommen im Bahnhof Milano Centrale an. Unser Zug fährt aber im Bahnhof Porta Garibaldi weiter. Mit gemischten Gefühlen nehmen wir unsere Velos, ziehen den Helm an und fahren auf den Bahnhofplatz. Nun wissen wir zwar, dass es nicht sehr weit ist. Wir wissen aber nicht, ob wir nach rechts oder links fahren müssen. Wir fragen Passanten. Siehe da, schon der zweite kann uns helfen und zeigt uns den Weg. Also rechts die Strasse entlang bis zur nächsten Ampel, dann über andere Ampeln wieder nach rechts und wir sollten am Ziel sein. Wir erreichen wirklich ohne Zwischenfall die Porta Garibaldi. Wir sind am Schluss einfach auf einer für Velos unberechtigten Strasse gefahren. Das nächste Problem ist: Wo fährt unser Zug? Wir fragen nach und finden heraus, dass dieser Bahnhof noch einen Untergrund hat. Der FS-Angestellte kann uns nicht sagen, ob es einen Lift hat. Er verweist uns auf die Treppe. Peter sieht den Lift, als er bereits sein Velo nach unten getragen hat. So sitzen wir glücklich in unserem Zug und fahren Richtung Schweiz. In Chiasso, Lugano und Luzern heisst es dann nochmals umsteigen. Das geht aber problemlos. Zwischen Lugano und Luzern haben wir für die Velos sogar reservierte Plätze. Glücklich aber müde erreichen wir Sempach-Station. Es ist fast anstrengender, mit dem Velo in Italien Zug zu fahren als sich auf der Strasse fortbewegen.

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