Ecuador-Rundreise 2014

1. Tag: Mittwoch, 30.07.14
Schon um 5 Uhr müssen wir in Zürich am Flughafen sein. Unsere Tochter fährt uns hin. Die beiden Enkelinnen müssen natürlich auch mit. Gepäckaufgabe, eingecheckt haben wir gestern, gemeinsamer Kaffee mit Gipfeli, Verabschiedung, Start ins Abenteuer! KLM fliegt nach Amsterdam, Wechsel in eine grössere Maschine und dann fliegen wir ruhig, aber laaaang nach Quito. Dort landen wir bereits kurz vor 15 Uhr, dank sieben Stunden Zeitverschiebung, werden von René in Empfang genommen und lernen die drei weiteren Reisegruppenmitglieder kennen: Laura, Annemarie, Nadia. Nach anderthalbstündiger Fahrt mit einem einheimischen Chauffeur treffen wir mitten in der Altstadt bei unserem Hotel ein. Nach dem Zimmerbezug machen wir noch einen kurzen Trip auf den Hauptplatz, knipsen die erste Fotos, geniessen das bunte und chaotische Treiben auf Strassen und Plätzen, besorgen uns Wasser im Lebensmittelladen und gönnen uns anschliessend den Begrüssungsdrink im Hotel und einige Tapas, bevor wir schlafen gehen. Allerdings machen sich da noch der lange Flug und die ungewohnte Höhenlage der Stadt bemerkbar. Aber uns steht eine lange Nacht bevor.
 
2. Tag: Donnerstag, 31. 07.14

Die Nacht dauert wirklich lang. Wir beide kämpfen mit dem Jetlag, mit der Höhenkrankheit, mit den Folgen des langen Flugs. All diese Gründe und dazu das Zimmer ohne Fenster und die ständig einsetzenden Klimageräte lassen uns immer wieder aufwachen und den Schlaf danach schwer wieder finden. Trotz allem fühlen wir uns um ca. sechs Uhr fit genug, aufzustehen, zu duschen und uns für den heutigen Tag vorzubereiten.
Nach einem reichhaltigen Morgenessen zusammen mit unseren „Reisegschpänlis“ machen wir uns mit unserem Führer Luis auf, die ecuadorianische Hauptstadt zu erkunden. Die Plaza de la Independencia und die Plaza Grande, verschiedene nach für Ecuador wichtigen Personen benannte Strassen sowie die beiden wichtigen Kirchen, die Iglesia San Francisco und die Jesuitenkirche Compañia de Jesús, stehen auf unserem Programm. Luis erklärt uns dazu die historischen Hintergründe. Anschliessend fahren wir mit unserem Büsli zur riesigen Statue der geflügelten Madonna auf dem Panecillo-Hügel und geniessen die prächtige Sicht auf die Altstadt Quitos, eine hügelige, ja sogar gebirgige Gegend!
Von da an geht’s zur Mitte der Welt, zur Mitad del Mundo. Das alte Denkmal mit der riesigen Kugel auf einem Steinquader lassen wir beiseite und besuchen das Museum „Sitio Inti Ñan“, das sich am Standort der nach genaueren Methoden vermessenen Äquatorlinie befindet. Hier können wir nun zwischen nördlicher und südlicher Erdhälfte hin und her hüpfen und uns dabei fotografieren und filmen lassen. Viel spektakulärer finde ich aber ein paar Experimente, die uns da vorgeführt werden. Beispielsweise bildet aus einer Wanne abfliessendes Wasser exakt über der Äquatorlinie keinen Wirbel, auf der nördlichen Hälfte bildet es einen links drehenden, auf der südlichen einen rechts drehenden Wirbel. Faszinierend!
Anschliessend fährt uns unser Chauffeur zum Pululahua-Park, wo wir in einen beeindruckenden Blick in einen rund 4000-jährigen Krater werfen können. Auf dem Grunde dieses Kraters soll ein günstiges Mikroklima herrschen, das eine artenreiche Landwirtschaft ermöglicht. In der Nähe unseres Aussichtspunkts erkenne ich am oberen Kraterrand einen modernen Gebäudekomplex. René eröffnet mir, nachdem ich ihn deswegen angesprochen habe, dass wir dort oben das Mittagessen einnehmen. Und das geschieht dann auch so. Uns wird ein feines Mahl serviert, so dass wir gestärkt und erholt in die Stadt zurückkehren können. Hier besichtigen wir noch die weniger sehenswerte Basilica del Voto Bacional. Was sich aber absolut lohnt und auch spektakulär ist, ist die Besteigung des Turms und der Weg über das Dachgewölbe zu einer kleineren Turmplattform im vorderen Bereich der Kirche. Die Aussicht ist fantastisch.
Nach der Rückkehr zum Hotel und einer Erholungspause machen wir uns alle zusammen auf den Weg zu einem Drink. René und Nadia haben ein Restaurant auf einem der Dächer Quitos ausfindig gemacht. Mit einem Lift aus dem Jahre 1948 erreichen wir die Dachterrasse und finden zwei Tische für uns, wo wir den Tag bei prächtiger Rundsicht mit Cuacamole und einem Getränk ausklingen lassen. René hat den Fotoapparat dabei und macht ein paar stimmungsvolle Bilder. Vor dem nach Hause gehen besuchen wir nochmals die Plaza de La Independencia, um Renés Fotosammlung zu ergänzen.
Ein Fruchtsaft in der Hotelbar vor dem zu Bette gehen rundet den spannenden Tag ab.

 
3. Tag: Freitag, 01.08.14

Wieder sind wir beide schon früh wach und vertreiben uns die Zeit bis zum Morgenessen mit Reisebericht schreiben, Reiseprogramm studieren und lesen.
Um 08.30 Uhr geht unser neuer Tag richtig los. Wir besteigen unser „Büsli“, und dann geht’s durch den dichten Morgenverkehr Quitos Richtung Norden, unserem heutigen Ziel Otavalo entgegen. Allerdings sind noch einige Stopps geplant.
Der erste findet auf dem Pannenstreifen der Panamericana statt, und zwar einfach um die prächtige Aussicht auf verschiedene Vulkangipfel, auf den neuen Flughafen von Quito und auf die gestern eröffnete Strasse vom Flughafen nach Quito zu fotografieren.
Ein weiteres Mal halten wir bei der Mitte der Welt an. Ja halt, war das nicht schon gestern? Es gibt offensichtlich noch eine zweite Mitte der Welt. Der Geograf, der uns hier erklärt, was mit der Mitte der Welt gemeint ist, beansprucht diese Bezeichnung allein für diesen Ort. Das was uns am Vortag über die Mitte der Welt erklärt und mit Experimenten bewiesen wurde, nennt er Fake und Joke. Was sollen wir nun glauben? Er bietet uns eine Dokumentation an, wo alle Beweise schriftlich und in Illustrationen aufgeführt sind. Ich werde sie zu Hause genauer studieren.
Die nächste Station ist eine Rosenplantage in Cayambe. Hier erleben wir ein Stück weit, unter welchen Bedingungen wunderschöne Rosen in allen Farben gezogen, geerntet, weiter verarbeitet und für den Export in alle Welt vorbereitet werden. In riesigen Gewächshäusern wachsen die Stöcke heran. Zum richtigen Zeitpunkt wird jede Rose von Hand gepflückt und dann auf verschiedene Arten behandelt, bis sie zusammen mit anderen Rosen in einem Karton verpackt im Kühlraum mit der richtigen Etikette versehen auf ihren Abtransport wartet. Der Ankunftsort kann sowohl in einem europäischen oder vorderasiatischen Land liegen, wie auch in einem fernöstlichen Land oder in einem amerikanischen Staat liegen. Die Russen sollen übrigens am meisten dafür bezahlen.
Anschliessend an diese Betriebsbesichtigung fahren wir zur Mühle San Juan, wo wir in einen Raum mit Kaminfeuer gewiesen werden. Bei einem speziellen Getränk werden wir mit der Geschichte der Mühle bekannt gemacht. Zum Mittagessen gibt es Hühnerbrust auf eine ganz leckere Art zubereitet.
Im Bus geht es dann weiter zum Peguche-Wasserfall in Otavalo. Da machen wir einen Verdauungsspaziergang und geniessen den naturnahen Wald und das beruhigende Rauschen des Wassers.
Der Übernachtunsort in Otavalo ist natürlich wieder ein Hit, ist die Unterkunft doch eine riesige Hacienda mit einem gewaltig schönen Park und liebevoll unterhaltenen Gebäuden aus früheren Zeiten, übernachtete dort drin doch auch einmal der südamerikanische Freiheitskämpfer Simon Bolivar mit seinem Gefolge Tag.

 
4. Tag: Samstag, 02.08.14

Bereits um 4.15 Uhr weckt uns Margrits Handy. Heute geht’s um sechs auf den Viehmarkt von Otavalo. Das ist nun wirklich ein ganz spezielles Erlebnis. Hier werden auf einem grossen Platz neben dem Dorf alle Arten von Haustieren feilgeboten. Schon beim Hinfahren fällt uns auf, dass Junge und Alte mit Kühen, Rindern, Kälbern, Schafen, Ziegen, Schweinen… unterwegs sind und sich zum Marktplatz begeben. Als wir dort eintreffen, ist schon sehr viel los. Beim Rindvieh geht es chaotisch zu und her. Einige Tiere stehen apathisch da. Aber der Grossteil der Rinder ist gestresst und nervös. Sie bocken, versuchen zu fliehen, sind aggressiv gegeneinander. Und als erst ein Mann mit einem Zebustier am Strick auftaucht, ist der Teufel los. Dem Stier gelingt es trotz heftigster Gegenwehr des Hirten zu entkommen. Wir suchen jedenfalls schnellstens das Weite. Der Stier beschädigt in seiner Aufregung Autos und andere Materialien. Scheinbar wurden auch Menschen verletzt, tauchte doch kurz darauf das Sanitätsauto auf. Jedenfalls ist es gelungen, den Zebustier wieder einzufangen. An einem Baum angebunden, mit Stacheldraht an den Vorderfüssen gesichert, mit verklebtem Blut unter den Hörnern steht er einige Zeit später still nebenan. Da geht es auf dem Kleintiermarkt weniger wild zu, obwohl die Schweine auch nicht immer leicht an der Leine zu führen sind. Da kauft sich ein jüngerer Mann mit langen, blonden Haaren und wasserblauen Augen von einer Frau drei hübsche jüngere Alpakas. Beide bestätigen den Kauf per Handschlag. Glücklich zieht der Käufer mit seinen Tieren ab, und auch die Verkäuferin ist über den gelungenen Verkauf erfreut. Niedlich sind die Meerschweinchen und die jungen Hunde. Wenig zart geht man mit den Hühnern um. Die werden an den Beinen zusammengebunden und mit dem Kopf nach unten mitgenommen. Häufig werden sie auch mit dem Kopf nach unten in Stoffsäcke gesteckt.
Anschliessend fahren wir zur Lagune Cuicocha. Dort wandern wir ein Stück weit hoch und geniessen den herrlichen Ausblick auf den Kratersee und die Umgebung. Die vielfältige Pflanzenwelt und die prächtigen Blüten beeindrucken uns sehr.
Darauf steht der Poncho-Markt von Otavalo auf unserem Reiseprogramm. Das ist zwar ein Anlass für die Touristen, der allerdings mehreren Leuten ein Einkommen sichert. Neben Ponchos werden noch viele andere Wollsachen angeboten, die durch die bunten Farben und die andinen Muster eine richtige Farb- und Formenorgie ergeben. Ergänzt werden diese Angebote durch Stände, die ein reiches Früchte- und Gemüsesortiment aufweisen, und durch Strassenküchen, wo auf Grill und in Pfannen die verschiedensten Speisen schmoren.
Dann geht die Reise weiter. Wir sitzen ganz gemütlich in unsern Autosesseln auf der Fahrt von Otavalo Richtung Quito, um unser Nachtquartier in Papallacta zu erreichen. Plötzlich ruft Margrit auf der steil abfallenden Strasse zur Brücke über den Guayaquila-Fluss vor einer Linkskurve: „Stau!“ Und wirklich, vor uns stehen die Autos auf beiden Spuren. Unser Fahrer ist recht rassig unterwegs, reagiert aber an und für sich goldrichtig und bremst stossweise. Aber irgendwie greifen die Bremsen nicht richtig und die stehenden Kolonnen kommen immer näher. Zum Glück lenkt unser Fahrer den Wagen auf die rechte Spur, wo ein Car vor uns steht. „Langsam“ nähert sich unser Auto der linken Heckseite… Und dann macht’s RUMMS! Glücklicherweise ist niemand aus unserer Reisegruppe verletzt. In der Frontscheibe zeigt sich ein Riss. Hinter uns stellt sich ein nachfolgender PW nach einem heftigen Bremsmanöver quer, touchiert unser Auto aber nicht. Jetzt beginnt das Warten. Die Schäden werden begutachtet, es wird herumtelefoniert. Nachdem sich endlich die Kolonnen in Bewegung setzen, fahren der Bus und unser Auto auf den Pannenstreifen. Noch etwas später kommt der Inhaber der Touristikfirma, die den Wagen betreibt, und kriecht persönlich unter den beschädigten Wagen, um den Schaden zu inspizieren. Ein Polizist droht mit Busse, wenn die Autos da stehen bleiben. Ein Ersatzbus ist angesagt, aber der kommt einfach nicht. Nun heisst es einsteigen in den beschädigten Wagen. Der Chef fährt persönlich, und zwar so rassig, dass einige von uns einen nächsten Unfall befürchten.  Bei der nächsten Tankstelle hat diese „Horrorfahrt“ ein Ende. Hier warten wir auf den Ersatzbus mit Fahrer, und der trifft nach mehr als einstündiger Wartezeit ein und bringt uns sicher nach Papallacta, wo wir bei Dunkelheit eintreffen. Trotzdem genehmigen wir uns nach dem Abendessen noch ein ausgiebiges Bad in den Thermalwasserbecken, die sich neben den Hotelbungalows befinden.

 
5. Tag: Sonntag, 03.08.14

Nach einem ausgezeichneten Frühstück mit einem reichhaltigen Buffet treffen wir uns um halb neun in der Réception. Das neue Auto steht bereits vor dem Eingang, ein grosser Hyundai-Bus, in dem wir alle einen Fensterplatz beanspruchen können: Luxus pur. Mit dem neuen Chauffeur Carlos sind wir sehr zufrieden, fährt er doch sehr sicher und bedachtsam. Unser heutiges Ziel ist Tena am Rio Napo, einem Nebenfluss des Amazonas.
Der erste Halt erfolgt schon nach wenigen Kilometern in einem Kolibri-Reservat. Da können wir diese teils winzig kleinen Vögelchen bei der Nahrungsaufnahme an aufgehängten Zuckerwasserbehältern und beim Flug rund um die umliegenden Bäume und Sträucher ganz aus der Nähe beobachten und fotografieren. Trotz des einsetzenden Regens sind alle voll und ganz bei der Sache.
In Baeza machen wir einen kurzen Halt, um uns mit Mückenmittel, Wasser und Zwischenverpflegung einzudecken.
Auf dem folgenden rund 4100 m hohen Pass werfen wir einen ersten Blick Richtung Osten auf das Amazonas-Becken. Die Weiterfahrt erfolgt ab jetzt in einer ganz anderen Landschaft. Die Pflanzenwelt wird reichhaltiger. Alles ist grün. Bromelien und Orchideen wachsen auf den Bäumen. Bunte und speziell geformte Blüten erheischen unsere Aufmerksamkeit. Wir nähern uns Tena am Rio Napo. Nach einigen Kilometern flussabwärts erreichen wir unser Tagesziel, die Cotococha-Lodge, wo uns ein einfaches, aber sehr gutes Mittagsmahl erwartet.
Schon kurz nach dem Bezug unserer Unterkünfte, einfache Hütten mit Mückengittern, starten wir zum ersten Ausflug in den Regenwald. Zuerst werden die dazu notwendigen Stiefel anprobiert. Dann geht es auf Erkundungstour. Mit einem einheimischen Guide dringen wir über feuchten und teilweise glitschigen Boden tiefer in den sekundären Regenwald hinein. Schon bald können wir zur Freude aller kleinere Affen beobachten, die sich von Ast zu Ast schwingen, dann und wann mal tief herunterkommen und wieder einem Stamm entlang hinaufklettern. Dabei kreischen sie aus vollen Kehlen. Ihnen scheint es jedenfalls Spass zu machen. Unser Guide erklärt uns bei verschiedenen Pflanzen, wie sie von den Indigenas genutzt werden. Dabei fällt auf, wie gross die Bedeutung solcher Pflanzen bezüglich medizinischer Anwendungen ist.
Nach dieser schweisstreibenden, feucht warmen Exkursion in der Umgebung der Lodge tut eine Abkühlung im Pool ganz gut und die anschliessende Dusche lässt die Anstrengung vergessen. Ein feines Nachtessen im „Speisesaal“ rundet den Tag wunderbar ab.
Wir schlafen sehr gut, trotz der vielfältigen Geräusche und Töne in der Umgebung.

 
6. Tag: Montag, 04.08.14

Kurz nach sechs, als es zu tagen beginnt, gehen Margrit und ich zum Ufer des Rio Napo hinunter, um den Sonnenaufgang zu verfolgen und Vögel zu beobachten. Er wird durch eine im Weg stehende Wolke behindert, und ausser Webervögeln, ein paar Schwalben und dunkelfarbenen Vögeln können wir keine weiteren Arten beobachten. Aber die Stimmung gefällt uns beiden.
Nach dem Morgenessen fahren wir zusammen mit einer deutschen Gruppe in zwei Motorbooten zu einer Tierhilfestation flussabwärts, in der verletzte, verstossene und unerlaubt gehaltene, einheimische Wildtiere „resozialisiert“ und gesund gepflegt werden. Eine Schweizerin gründete diese Institution. Eine Praktikantin, die sehr gut Deutsch spricht, zeigt uns in verschiedenen Käfiganlagen einige Exemplare und beschreibt uns deren Schicksal und Zukunft. Da sind zum Beispiel der Kapuzineraffe mit einem schweren Schädel-Hirntrauma, ein Tapir, verschiedene Aras, ein Ozelot und vieles Anderes zu sehen. Bei diesem Rundgang begleitet uns irgendein Huhn, das sich offenbar gerne den Besuchern der Station anschliesst. Nicht nur die in Gehegen gehaltenen Tiere interessieren uns. Mehrere Totenkopfäffchen und ein grosser Kapuzineraffe turnen auf den Bäumen und auf den Gittern ausserhalb der Gehege herum, weil sie hier offenbar mit weniger Aufwand als draussen im Wald zu Futter kommen.
Anschliessend gehen wir mit einem Guide auf eine rund anderthalbstündige Wanderung durch den Dschungel und erfahren dabei noch mehr über die Bedeutung von einheimischen Pflanzen und Tieren für die indigene Bevölkerung.
Am Zielort unseres Spaziergangs erwarten uns die beiden Boote. Das nächste Ziel ist eine Kitchwafamilie, die ein paar traditionelle Tätigkeiten vorführt. Eine Frau zeigt uns, wie auf einfachste Art mit einer Holzschale Gold gewaschen wird. Darauf wird uns gezeigt, wie aus Maniok Chicha, eine Art Bier, hergestellt wird. Natürlich dürfen wir auch probieren, mir schmeckt es nicht sonderlich, es ist säuerlich und riecht stark nach Hefe. Die einheimische Jugend aber scheint darauf zu schwören. Jedenfalls lassen sich die jungen Leute rechte Mengen davon geben.
Nach dem Nachtessen, bei Dunkelheit, gehen wir nochmals mit Taschenlampen unterwegs, um nachtaktive Tiere zu beobachten. Wir treffen schon im Aufenthaltsraum der Lodge auf eine Gottesanbeterin uns auf eine langbeinige Spinne. Draussen, am Zugang zur Lodge, finden wir Blattschneiderameisen, riesige Heuschrecken, kleinere und grössere Spinnen, Schaben und Riesenameisen, die uns laut Guide schmerzhafte Bisse zufügen können. Beim Pool treffen wir auf kleine Fröschchen, die gleich ins Wasser hüpfen. Zwischen zwei einen spitzen Winkel bildenden Balken ist in einem dichten Spinnenfadengewebe bei entsprechender Beleuchtung eine Tarantel erkennbar.
Nun ist Nachtruhe angesagt.

 
7. Tag: Dienstag, 05.08.14

Schon früh werden wir vom Regen geweckt. Im Badezimmer sitzt eine Riesenheuschrecke neben dem Wasserhahn. Aber der Regen lässt schnell nach, und die Heuschrecke lässt uns ohne sich zu regen unsere Morgentoilette verrichten und ist nach dem Morgenessen spurlos verschwunden.
Kurz nach neun fahren wir weg, Richtung Puyo. Dort angekommen, suchen René und Carlos, der Fahrer, nach der Casa de la Balsa. Nach einigem Nachfragen landen wir an der richtigen Adresse. Allerdings werden wir beim Aussteigen gerade mit Zuckerrohrstücken zum Aussaugen geködert, denn die Dame, vor deren Geschäft wir aussteigen, möchte ebenfalls von uns Touristen profitieren. Ich kaufe ihr ein Päcklein türkischen Honig ab. Übrigens schmeckt der ausgezeichnet. In der Casa de la Balsa befindet sich ein Laden, in dem lauter nützliche und weniger nützliche Dinge, aus dem sehr leichten Balsaholz gefertigt, ausgestellt und verkauft werden. Wir kaufen einen Brieföffner mit Tukan, Postkarten und Holzfarbstifte.
In Puyo gibt es einen Aussichtsturm, den wir besteigen, um von dort aus ein paar Fotos zu machen. Es regnet zwar ein bisschen, aber dennoch besichtigen wir den botanischen Garten und finden dort einige Pflanzen, die vorzüglich in unsere Kameras passen. Da der Regen nach dem Verlassen des Parks stärker wird, suchen wir eilig unseren Bus auf, denn dort drin ist es trocken.
Die Fahrt führt nun weiter zur Cascada Pailón del Diablo im Pastazatal bei Rio Verde. Da es immer noch regnet, beschliessen wir, in einem Restaurant abzuwarten und noch etwas zu Mittag zu essen. Der Regen lässt wirklich nach. Wir fahren zur Boleteria, René besorgt uns die Eintrittskarten und dann steigen wir zum Fluss hinunter. Er führt viel Wasser, das verspricht spektakuläre Aufnahmen. Über eine Hängebrücke, die recht bedenklich schaukelt, und über Treppenstufen gelangen wir tiefer in den Schlund, in den sich das braungelbe, hochgehende Wasser des Rio Verde ergiesst. Man kann sich auf den hinunterführenden Treppenstufen soweit dem Wasserfall nähern, dass man nass wird. Dabei stürzt das Wasser mit ohrenbetäubendem Brausen in die Tiefe und erzeugt wild drehende Wirbel in der Tiefe. Gischt sprüht durch die Luft und nässt die Kleider. Das gibt wirklich beeindruckende Fotos. Aber noch viel eindrücklicher ist es, wenn man dieses Naturschauspiel vor Ort erlebt.
Danach führt unsere heutige Fahrt noch etwas weiter in die Höhe, hinauf nach Runtun, ca. 400 Höhenmeter oberhalb Baños. Im Hotel Luna Runtun kommen wir unter, und da ist es einfach schön und luxuriös, ein riesiger Kontrast zu den Übernachtungen in der Dschungel-Lodge.

 
8. Tag: Mittwoch, 06.08.14:

Der heutige Tag ist frei. Leider spielt das Wetter absolut nicht mit. Trübe, verhangen und grau sehen der Himmel und die benachbarten Hänge aus. Wir begraben unsere Wanderpläne und lassen uns von Carlos nach Baños hinunter fahren. Aber ein Stadtbummel macht bei ziemlich heftigem Regen auch keinen Spass. Also fahren wir wieder hoch und gehen zuerst zu einem Fruchtsaft ins Café del Cielo, darauf ins prachtvoll gelegene Bad mit Thermalbecken. Und dann klart es wirklich etwas auf. Margrit und ich beschliessen, am späteren Nachmittag doch noch einen Spaziergang zu machen und steigen entlang eines Fussweges Richtung Runtun auf. Der Weg führt ein rechtes Stück oberhalb des Hotelkomplexes in zu einer Reihe nahe beieinander stehender Gewächshäuser mit Baumtomaten. Da plötzlich kläfft und knurrt es gefährlich vor uns. Ein Hund kommt Zähne fletschend angerannt. Wir weichen zurück. Ich erkläre dem „Untier“ in reinstem Schweizerdeutsch, dass es zum Teufel gehen soll. Aber so schnell lässt es sich nicht überzeugen. Jedes Mal, wenn ich ihm den Rücken zukehre, kommt es wieder mit aufgeworfenen Lippen, kläffend und knurrend näher. So entferne ich mich rückwärtsgehend bzw. stolpernd von den Gewächshäusern und kann den Kläffer schimpfend und ihn im Auge behaltend davon abhalten zuzubeissen. Margrit ist schon etwas vorausgegangen. Endlich gibt sich der Hund zufrieden und bleibt zurück. Wir sind ihm, ohne Schaden zu nehmen, entkommen.
Nachtessen, Tagebuch schreiben und dann schlafen gehen sind nun noch angesagt.

9. Tag: Donnerstag, 07.08.14

Da es heute ein strenger Tag werden soll und der vorgesehene Markt ab elf Uhr abgeräumt wird, wird die Abfahrt auf 6.30 Uhr angesetzt. Mit einem Morgenessensäcklein versehen treten wir die Fahrt an.
Unser erster Halt ist in Saquisili, wo uns der lokale Guide Rico in Empfang nimmt. Er führt uns auf den Viehmarkt, wo alles viel geordneter zugeht als in Otavalo. Da sind die Tiere separiert nach Alter und Geschlecht und an festen Geländern angebunden. Da gibt es keine Ausreisser zu beobachten, die Menschen und Tiere verletzen und Sachen beschädigen. Dennoch ist der Umgang vieler Marktteilnehmer mit den Tieren sehr grob. Vor allem Schweine und Hühner sind die Leidtragenden.
Auf dem Warenmarkt, der zu grossen Teilen für Einheimische stattfindet, ist das Angebot  riesig und sehr günstig. Die angebotenen Artikel scheinen zu einem grossen Teil aus dem letzten Jahrhundert zu stammen. Dazwischen gibt es Anbieter von Speisen, die diese vor Ort zubereiten, und das sieht meist sehr appetitlich aus, zum Teil aber werden Mahlzeiten angeboten, die auf uns abstossend wirken, z.B. gegrillte Raupen.
Nach dem Marktbesuch steht der Cotopaxi-Nationalpark auf unserem Reiseprogramm. Wir besuchen zuerst das Parkmuseum, das uns einen Überblick gibt über den Aufbau und die Entstehung der Vulkane, über die Vegetation und den Einfluss der menschlichen Nutzung, über die Tierwelt und über die Probleme die sich aus den verschiedenen Ansprüchen ergeben. Mit der Schaffung des Nationalparks in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts sollte vielerorts der natürlichen Vegetation und Fauna wieder mehr Raum gegeben werden. Danach wandern wir um die Lagune Limpiopungo und beobachten dort neben Pflanzen vor allem die vorkommenden Vögel.
Die Weiterfahrt führt uns auf einen Parkplatz rund 4600 m ü.M. Von hier aus unternehmen wir eine Wanderung zum Refugio José Ribas, unmittelbar unterhalb des Vulkangipfels des Cotopaxi auf 4864 m. Es ist eine anstrengende Bergwanderung und wir geraten recht massiv ins Schnaufen. Aber mit einigen Pausen schaffen wir diesen Aufstieg und haben dabei erst noch das Glück, dass der Gipfel sich vom Nebel befreit und uns die Sicht auf ihn ermöglicht. Schnee- und eisbedeckt erhebt er sich unmittelbar vor uns. Das Refugio ist noch im Umbau. Laura findet das Erreichen dieses Ziels sei ihr persönlicher Höhepunkt dieser Reise.
Die anschliessende Fahrt zur Hacienda El Porvenir, wo wir unser Nachtessen einnehmen und übernachten, dauert wegen miserabler Strassenverhältnisse etwas länger.


10. Tag: Freitag, 08.08.14

Nach einer guten und erholsamen Nacht stehen wir kurz vor sechs auf, duschen, packen unsere Sachen und gehen auf Fototour. Zwar bläst uns ein eiskalter Wind um die Ohren, aber die Landschaft präsentiert sich kurz nach Sonnenaufgang in herrlichen Kontrasten. In der Ferne ist sogar der Gipfel des Cotopaxi zu erkennen.
Nach einem schnellen Morgenessen fährt uns Carlos über eine holprige Strasse, zum Teil sieht sie aus wie ein Bachbett, auf die Transamericana und dann weiter zur Hacienda La Ciénega bei Lasso. Dieser Ort ist bekannt dafür, dass hier Alexander von Humboldt während seiner Lateinamerikareise von 1799  – 1804 längere Zeit verbrachte. Wir können die Anlage besichtigen, und wir bestaunen die reichhaltige, antike Ausstattung. Heute wird die Hacienda u.a. als Hotelbetrieb genutzt.
Die Weiterfahrt führt uns an die Laguna Quilotoa in der westlichen Kordillere. Das ist ein riesiger Kratersee auf rund 3600 m ü.M., während der Kraterrand auf über 4000 m liegt. Der Blick in den Krater hinunter ist atemberaubend. Weit, weit unten füllt das Wasser den Krater, weist schäumende Stellen auf und verfärbt sich je nach Sonnenlichteinfall und Schattenwurf der am Himmel vom stark blasenden Wind voran getriebenen Wolken. Auf der Westseite ist am See unten ein kleiner Strand sichtbar, worauf sich Menschen bewegen. Den steilen Kraterwänden entlang schlängelt sich ein Serpentinenweg nach unten. Margrit und ich steigen ein Stück weit hinunter und geniessen die Aussicht. Mulis mit Leuten auf dem Rücken, die den Aufstieg nicht aus eigener Kraft schaffen, begegnen uns immer wieder und stäuben uns ein. Um halb zwei müssen wir wieder beim Bus sein. Die Fahrt geht weiter nach Riobamba, wo wir bei einbrechender Dämmerung eintreffen.
Aperitif, Nachtessen, Tagebuch schreiben, ins Bett gehen sind die nächsten Tätigkeiten.

11. Tag: Samstag, 09.08.14

Wieder fahren wir rechtzeitig weg. Unser nächstes Ziel ist die Ortschaft Alausí, die wir nach rund 2 3/4 Stunden heftig durchgeschüttelt erreichen, da wir vor allem zu Beginn unserer Fahrt äusserst schlechte Strassenverhältnisse antrafen. Hier fährt um elf Uhr der Zug um die Teufelsnase (La Nariz del Diablo) nach Sibambe. In eindrücklichen Kehren, davon zwei Spitzkehren, überwindet die Eisenbahnlinie eine beträchtliche Höhendifferenz. Man fährt dabei durch eine einmalige Landschaft, geprägt von steilen Felswänden, karger Vegetation und einmaligen Aussichten in tiefe Schluchten. In Sibambe erwarten den Mitreisenden ein kleines Museum und zwei Cafés. Hier besteht die Möglichkeit, sich die Beine etwas zu vertreten und die überwundenen Steilhänge zu fotografieren. Nach einem stündigen Aufenthalt fährt der Zug nach Alausí zurück. Das Spektakel wiederholt sich.
Unsere Fahrt führt weiter zu den Inkaruinen von Ingapirca. Hier sind nur noch minimale Überreste der Vorinkazeit und der Inkas vorhanden, da sie erst in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts unter Schutz gestellt wurden.
Der letzte Abschnitt unsere Fahrt muss nun noch abgesessen werden. Erst kurz vor sieben Uhr treffen wir an unserem Tagesziel in Cuenca ein.
Erfreulich ist heute, dass uns die Reiseagentur als Wiedergutmachung für die glücklich ausgegangene Kollision am vierten Reisetag zum Nachtessen einlädt. Und dieses geniessen wir, wird es uns doch in einem guten Restaurant serviert. Herzlichen Dank!

12. Tag: Sonntag, 10.08.14

Der heutige Tag soll etwas gemütlicher und erholsamer verlaufen. Wir bleiben den ganzen Tag in Cuenca. Nach dem Morgenessen steht eine Stadtbesichtigung mit einem einheimischen Guide auf unserem Programm. Mit einer jungen Frau besuchen wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie z.B. die Neue Kathedrale, den Blumenmarkt vor der Iglesia del Carmen de La Asuncion sowie die Kirche selbst. Wir bekommen den Unterschied mit zwischen kolonialem und republikanischem Baustil und betrachten verschiedene Häuser genauer. Unsere Expertin führt uns an den Rio Tomebamba und erzählt etwas von den weiteren drei Flüssen, die durch Cuenca fliessen. Wir besuchen eine Folklorevorführung mit rassigen Tänzen aus der Region. Nach einem Cafébesuch erreichen wir als Höhepunkt den Mirador Turi, einen Aussichtspunkt über Cuenca im Süden der Stadt. Von hier aus geniessen wir einen herrlichen Ausblick auf die viertgrösste Stadt Ecuadors mit rund einer halben Million Einwohnern.
Nun fährt uns Carlos zum Hotel zurück. Wir gehen zu viert etwas Kleines essen. Margrit und ich spazieren nochmals zum Hauptplatz, dem Parque Calderon. Da ist wenig bis nichts los. In den Gassen herrscht ebenfalls Tote Hose. Es ist heute Sonntag! Da bleibt uns nichts anderes als ein Besuch in der Hotelbar und den vorliegenden Bericht fertig schreiben.
Zum Nachtessen kehren wir zurück zum Parque Calderon.

13. Tag: Montag, 11.08.14

Heute steht als Erstes eine Wanderung im Parque National El Cajas auf unserem Programm. Das Wetter sieht gar nicht vielversprechend aus. Der Himmel ist bedeckt. Kurz nach acht, als der Guide ankommt, fahren wir Richtung Nationalpark los. Etwa 40 Minuten soll die Fahrt dauern. Je höher wir kommen, desto trister sieht es draussen aus. Der Nebel schleicht den Hängen entlang, es beginnt aus dem Nebel zu nieseln. Beim Kontrollzentrum angelangt, müssen wir uns mit Angabe der Passnummer und mit Unterschrift anmelden. Es ist recht kühl und feucht. Jedenfalls nehme ich zusätzlich noch die Regenjacke aus dem Koffer. Zu fünft marschieren wir los, um die Lagune Toreadora zu umrunden. Wir bewegen uns in einer fantastischen Landschaft mit Felsen, farbenprächtigen Blütenpflanzen in ganz verschiedenen Grössen, abgestorbenen und neu aufkeimenden Bromelien, dem ruhig daliegenden Seelein, den am Himmel ziehenden Wolken, die plötzlich wieder Sonnenstrahlen freigeben, den dadurch entstehenden Lichteffekten: mir kommt es vor, als ob wir in uralte Zeiten zurückversetzt würden. Fast zwei Stunden sind wir unterwegs auf über 4000 m Höhe, bis wir wieder beim Bus sind. Der freie Speicherplatz in meiner Videokamera ist geschrumpft.
Unsere Reise geht nach der Verabschiedung von unserem Guide weiter Richtung Guayaquil. Über 4000 Höhenmeter führt die Strasse aus dem kühlen Bergklima hinunter in die tropische Schwüle am Pazifik. Die Pflanzenwelt entlang der Strasse wandelt sich innert rund zwei Stunden ganz gewaltig. Zuerst noch begleiten uns Viehweiden und Brachland, dann tauchen Äcker und Gärten auf und zuletzt fahren wir durch Bananen-, Kakao-und Palmölplantagen.
In Jesus Maria machen wir Mittagshalt an der Strasse. René klärt im “Restaurant“ neben dem Anhalteplatz ab, was es zu essen gibt. Seine Rückmeldung an uns: „Suppe mit Huhn, Suppe mit einem Stück Schweinefleisch, Fisch mit Reis.“ Also schieben wir zwei Tische zusammen und bestellen unser Mittagessen. Ich entscheide mich für Fisch mit Reis, was ganz gut schmeckt. Bananen gibt‘s als Nachspeise. Nebenan hält ein Händler seine Ananas feil. René lässt für uns eine ganze Ananas aufschneiden. Sie schmeckt so frisch vorzüglich.
Darauf fahren wir weiter. Vor 16 Uhr treffen wir vor unserem Hotel in Guayaquil ein und  können gleich unsere Zimmer beziehen. Ein anschliessender Spaziergang führt uns an das Ufer des Rio Guayas, genauer an den Malecón. Spektakuläres gibt es hier nicht zu sehen. Aber die Atmosphäre ist gut. Beim Eindunkeln kehren wir zum Hotel zurück und gehen etwas später noch etwas essen.

14. Tag: Dienstag, 12.08.14

Schon früh sind wir beide wach. Ist es das unüberhörbare Rauschen der Klimageräte rundum oder die Anspannung vor unserem Galapagos-Abenteuer, was uns nicht mehr schlafen lässt? Um halb acht gehen wir zum Morgenessen. Anschliessend möchte ich unbedingt noch zum Cerro Santa Ana. Das ist der eine Stadthügel Guayaquils, auf dem der Leuchtturm steht. Wir geben uns eine Stunde, denn auf halb zehn ist der Transfer zum Flughafen angesagt, und ich muss noch fertig packen. Wir gelange über den Malecón (Uferpromenade) Richtung Norden zum besagten Viertel. Margrit wird schon etwas nervös. Ich schaffe es aber noch, die Treppe hoch zum Mirador (Aussichtspunkt) zu spurten, kurz eine Aufnahme zu machen und in aller Eile die Treppe hinunter zurück auf den Malecón zu gelangen. Margrit ist noch da, so dass wir zusammen rechtzeitig im Hotel zurück sind.
Carlos fährt uns heute zum letzten Mal, nämlich zum Flughafen von Guayaquil. Nach zwei Extrarunden kommen wir dort rechtzeitig an und verabschieden uns von unserem Fahrer. Er hat seine Sache gut gemacht.
Der Flug nach San Cristobal ist kurzweilig, sitzt doch neben mir eine junge Deutsche, die auf Galapagos ein Praktikum absolviert und heute zum zweiten Teil ihres Aufenthalts, zur Arbeit in einer Schildkrötenstation, anreist. Wir haben genügend Gesprächsstoff.
Am Flughafen werden wir von unserem Guide Roberto in Empfang genommen und zum Bus gewiesen, der uns zum Hafen bringt. Dort haben wir noch eine halbe Stunde Zeit, uns mit für eine Minikreuzfahrt notwendigen Dingen zu versorgen. Wir müssten Dollars haben! Zwei Bancomaten gibt es da, aber erstens sind sie schon besetzt und zweitens lassen sie sich, nachdem sie endlich frei sind, mit drei verschiedenen Karten nicht dazu bewegen, uns die dringend nötigen Banknoten auszuspucken. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als in die Bank hinein zu gehen und dort anzustehen. Am einen Schalter wird ein junger Mitarbeiter von einer versierten Fachfrau in die Arbeit mit dem PC eingeführt, und das dauert. Aber endlich sind auch wir an der Reihe. Nun geht es für südamerikanische Verhältnisse schnell, und es klappt. Mit einem Bündel Dollarnoten verlassen wir die Bank. Nun kann das Abenteuer Minikreuzfahrt starten.
Wir werden mit Gummimotorbooten (Dinghies) zu unserer Kreuzfahrtyacht „Galaxy“ gebracht. Dort müssen wir die Schuhe ausziehen, dann gibt’s Mittagessen, um 14.30 Uhr. Nachher erleben wir den ersten „Ernsteinsatz“. Das Schiff fährt zur Isla Lobos, wo wir in die Dinghies umsteigen, um auf diesem kleinen, unberührten Inselchen einen ca. anderthalbstündigen Spaziergang zu machen. Wir begegnen dabei Seelöwen, Landleguanen, Blaufusstölpeln und Fregattvögeln. Zudem zeigen sich auch zwei Goldwaldsänger. Erstaunlich ist, dass die Tiere nicht scheu sind und sich zum Teil von ganz nah betrachten und fotografieren lassen. Allerdings sagt uns Roberto, dass wir zwei Meter Distanz einhalten sollen. Anschliessend steigen wir wieder in die Dinghies und beobachten eine Kolonie Bindenfregattvögel auf der Hauptinsel, wobei einige Hähne unter ihnen ihren roten Kehlsack präsentieren, um den Hühnern die Auswahl zu erleichtern.
Nach  der Rückfahrt in den Hafen von San Cristobal gibt es eine Theorie-Lektion zum Thema Leben und Verhalten auf dem Schiff, und das morgige Programm wird bekannt gegeben. Um halb acht ist Nachtessen, und nachher kehrt schon bald Ruhe ein.

15. Tag: Mittwoch, 13.08.14


Um Mitternacht ist die Galaxy abgefahren und bei recht hohem Wellengang nach Süden zur Isla Española, in die Gardner Bay, gefahren. Wir haben beide beim zu Bett Gehen eine Reisetablette geschluckt, und so vertragen wir das ständige Schaukeln des Schiffs sehr gut.
Um halb sieben werden wir geweckt, Margrit hat mich allerdings schon eine Stunde früher gemahnt, es sei 6.30 Uhr. So bin ich jetzt geduscht und schreibe gerade an diesem Bericht.
Um acht fahren wir mit dem Dinghy an den weissen, feinen Sandstrand und spazieren barfuss dem Vegetationsgürtel entlang. Vom Meer her kommen die Seelöwen an Land und lassen sich von den sich überschlagenden Wellen umspülen, oder sie legen sich an die Sonne und räkeln sich. Vom Land her fliegen die Galapagos-Spottdrosseln auf den Sand und beschimpfen uns Eindringlinge. Im Bereich, wo Pflanzenüberreste herumliegen, suchen sich die mittleren Grundfinken ihr Futter. Rechts drüben, auf den Felsen, liegt der angespülte Kadaver eines Buckelwals. Fliegen in grosser Zahl belästigen sowohl die Seelöwen wie uns. Nachdem alle genügend fotografiert und gefilmt haben, fahren wir zur Galaxy zurück.
Als nächstes ist Schnorcheln angesagt. Ich fasse eine Tauchbrille mit Schnorchel, Flossen und einen Neoprenanzug und ziehe mich entsprechend an. Mit dem Dinghy fahren wir Schnorchler auf die Gegenseite der Bucht zu einer Steilküste. Das Schnorcheln an diesem Ort ist eine Erleuchtung. Bisher schnorchelte ich erst einige Male im Mittelmeer. Aber was ich hier zu sehen bekomme, übertrifft dass alles bei Weitem. Die sagenhafte Farben- und Formenvielfalt beeindruckt mich ausserordentlich. Das Pünktlein auf dem I ist die Anwesenheit der Seelöwen. Vorher haben wir sie am Strand beobachtet, wie sie schwerfällig an ihr Sonnenplätzchen robben. Jetzt bewegen sie sich im Wasser mit äusserster Eleganz, pfeilen zu mir hin, weichen kurz vor mir elegant aus, wenden sich auf den Rücken und inspizieren mich von unten, einfach fantastisch. Und plötzlich sehe ich auf dem Grunde, in eine grosse Felsspalte eingezwängt einen riesigen Rochen. Weitere Höhepunkte sind die recht grossen Fische und ein einzelner grosser „Nemo“ … Schon bald ist es Zeit zur Rückkehr aufs Mutterschiff, wo ich dusche. Dann gibt’s Mittagessen. Übrigens macht das unser Koch ausgezeichnet.
Am Nachmittag fahren wir ans Westende der Insel zur Punta Suárez. Wir machen alle zusammen einen rund dreistündigen Rundgang der Küste entlang und durch das niedrige Gehölz. Unser Guide will uns vor allem die Galápagos-Albatroskolonie zeigen. Wir können diese Riesenvögel wirklich in verschiedenen Stadien ihres Daseins beobachten. Wir sehen ein Paar beim Balzen, Albatroseier in Bodennestern, brütende Vögel, Jungvögel, können ein Elternpaar beim Füttern ihres Jungen beobachten, sehen sie fliegen und landen. Aber da gibt es natürlich sonst noch vieles zu sehen. Wir schauen den mit roten Flecken versehenen Meerechsen zu, die sich hier überall auf und neben dem Gehweg breit machen und die Sonnenstrahlen nutzen, um die notwendige Betriebstemperatur zu erreichen. Längere Zeit verharren wir über einem Steilküstenabschnitt und beobachten verschiedene Vögel im Flug. Da sind u.a. Nazcatölpel, Blaufusstöpel und Rotschnabel-Tropikvögel. Beim nächsten Halt schauen wir zu, wie ein Blasloch im Boden Meerwasser bei entsprechendem Wellengang zischend hoch in die Luft spritzen lässt. Überall sonnen sich zudem Lavaechsen, deren Weibchen einen roten Kopf und Hals aufweisen.
Bei der Rückkehr aufs Schiff werden wir mit Ananassaft und Früchten versorgt.
Nach der Vorstellung des morgigen Programms und dem Nachtessen, das wieder wunderbar schmeckt, gehen wir früh zu Bett. An Schlaf ist vorerst nicht zu denken, da um neun der Schiffsmotor zu arbeiten beginnt, um uns ans morgige Ziel, die Insel Floreana zu bringen. Nicht die Motorengeräusche hindern uns am Schlafen, sondern der hohe Wellengang. Aber irgendwann schlummern wir trotzdem ein.

16. Tag: Donnerstag, 14.08.14


Kurz vor sechs schaue ich mal aus der Kabine: Hell, Himmel grau, die höchste Berge der Insel vor uns verhangen, Vegetation nur gerade an der Küste grün, dahinter graubraun.
Nach dem Morgenessen um sieben ist die Abfahrt mit dem Dinghy auf acht angesagt, mit nasser Landung, Ausflug zu einer Lavahöhle und Schnorcheln in der Post Office Bay. Zuerst aber fahren wir etwas weiter nach Westen, wo die Galàpagos-Pinguine in den Lavafelsen daheim sind. Nach einigem Suchen mit dem Feldstecher findet Roberto auf einem Felsen wirklich einen jungen Pinguin, den wir genauer anschauen können. Bei der Rückfahrt sehen wir noch  zwei Pinguine beim Fischen. Darauf steigen wir am Sandstrand aus dem Boot und gehen zur Post Box. Roberto klaubt drei Plastiktüten aus dem Kasten und verteilt deren Inhalt, das meiste Postkarten, unter uns, um herauszufinden, ob Post an Leute in der Nähe unseres Wohnorts dabei ist. Wir finden jedenfalls zwei Karten, die ins Urnerland gelangen sollen und nehmen diese mal mit in der Absicht, uns bei den beiden Adressaten zu melden. Mal schauen, was dabei herauskommt. Wir selber lassen zwei Karten zurück. Vielleicht meldet sich jemand.
Als nächstes wartet auf uns eine Lavahöhle, in die man hinuntersteigen kann. Gemäss Roberto ist  die Höhle mit dem Meer verbunden, aber die Öffnung ist eng, zu eng, um ins Meer hinaus zu gelangen.
Als Abrundung des heutigen Vormittags ist Schnorcheln in der Bucht angesagt. Leider ist das Wasser sehr trübe. Erst weiter draussen wird es klarer, aber dazu muss man viele unsichtbare Steine am Strand überschwimmen, wenn möglich ohne die Zehen anzuschlagen. Dann sollte man Schildkröten und Rochen beobachten können. Ich sehe zwar verschiedene Fische und zwei Seelöwen, aber keinen Rochen und keine Schildkröten. schon bald gebe ich auf und schwimme an den Strand zurück.
Um zwölf ist Mittagessen. Gleichzeitig ändert die Galaxy ihre Position und fährt zur Punta Cormorán.
Um 14 Uhr fahren wir in Schnorchelausrüstung mit dem Dinghy zur Corona del Diablo, um dort im Wasser Umschau zu halten. Das ist nun der absolute Hit. Wir steigen alle nördlich der Teufelskrone aus dem Dinghy, „bewaffnet“ mit Schnorchel, Brille und Flossen. Roberto erklärt uns, wir müssten links herum um die paar Lavafelsen tauchen, ja nicht durch die Mitte. Er macht uns auf eine starke Strömung aufmerksam, die um diese Lavafelsen herrscht. Ich versuche möglichst nah den Felsen entlang zu schwimmen. Da tut sich eine noch nie gesehene Welt auf. Höhepunkte sind die Sichtung dreier riesiger Rochen, ich schätze zwischen 1.5 und 2 m Spannweite, und zweier Meeresschildkröten. Aber auch andere Fische lassen sich nicht lumpen und erscheinen in noch nie gesehenen Farben und Grössen. Dazu kommen unterschiedliche Seesterne, Seeigel und Seeanemonen und eine Unterwasserlandschaft mit riesigen Trümmerteilen aus Lavabrocken und weissen, feinen Kiesflächen. Fast unbeschreiblich! Leider fehlt mir die Unterwasserkamera.
Schon wieder ist ein Tag verflogen. Was wird der morgige Tag bringen? Schon bald wird das Programm verkündet.

17. Tag: Freitag, 15.08.14


Heute werden wir schon um sechs Uhr geweckt. Scheinbar gehört es hier dazu, dass es am Morgen bedeckt und grau ist. Nachtsüber ist unser Schiff zur Insel Santa Fé gefahren. Es war eine ziemlich unruhige Fahrt. Vor unserer Kabinentüre ist der Boden nass, und es haben sich Pfützen gebildet.
Nach dem Morgenessen findet ein Landausgang mit Nasslandung statt. Also packe ich Feldstecher und Kamera in den Plastiksack, stecke die Socken in die Schuhe und binde diese zusammen. Dann steigen wir alle in die beiden Dinghies und fahren zum Sandstrand, der bereits von den Seelöwen besetzt ist. Höhepunkte dieser Insel sind die Feigenkakteen mit einem verholzten Stamm (Baumopuntien) und die Santa-Fé-Landleguane, urtümliche Echsen von beträchtlicher Grösse. Vor unserer Rückkehr auf die Galaxy, beim Einsteigen in die Boote, können wir noch Haie, die an den Sandstrand geschwommen sind, im untiefen Wasser sehen.
Nun wird gerudert. In Kunststoffkajaks fahren wir zu zweit in der Bucht herum. Vom Kajak aus lassen sich die Meeresschildkröten sehr schön beobachten.
Als letztes steht heute Vormittag noch Schnorcheln auf dem Programm. Das ist wiederum ein fantastisches Ding. Der Höhepunkt ist diesmal Schwimmen mit den Schildkröten. Diese riesigen Dinger tauchen ganz gemütlich durch die Bucht und strecken hie und da den Kopf aus dem Wasser, um Luft zu holen. Ich kann längere Zeit über einem dieser Urtiere schwimmen und genau beobachten, wie es mit seinen Vorderflossen im Gleichtakt und gemächlich rudert, während es Hinterflossen und Schwanz einfach im Wasser hängen lässt.
Nach dem Mittagessen werden die Motoren angeworfen, und die Galaxy nimmt Kurs auf Plaza Sur. Die Fahrt verbringen wir auf dem Sonnendeck. Bindenfregattvögel verfolgen unser Schiff, führen ihre Flugkünste vor und landen u.a. auf dem Deckgeländer. Da  zeigt sich, dass auch sie wenig Scheu vor Menschen zeigen, denn sie lassen uns ganz nah kommen und posieren prächtig für unsere Fotos. Sie setzen sich aber auch auf den Rand des Sonnendachs. Daran haben aber nicht alle Sonnenbadenden Freude, denn diese Vögel könnten ja auch etwas fahren lassen. Diese Aussicht lässt die Sonnenanbeterinnen aufjucken und ihre Liegestühle verschieben, was wiederum die Vögel zu verscheuchen vermag.
Die Ausschau nach blasenden Walen und Kapriolen machenden Delphine bleibt leider erfolglos.
Kurz nach Ankunft vor Plaza Sur legen wir mit den Dinghies ab Richtung Insel. Wir machen einen ca. anderthalbstündigen Rundgang, auf dem wir nochmals verschiedene Echsen und viele Seelöwen sehen. Das Besondere an dieser Insel ist, dass die Feigenkakteen hier anders aussehen, dass hier der Boden mit einer Pflanze bedeckt ist, die zu dieser Jahreszeit rot gefärbt ist und weite Flächen der Insel bedeckt, und dass hier an der südlichen Steilküste eine Rotschnabeltropikvogelkolonie angesiedelt ist, deren Mitglieder immer wieder schrille Töne von sich gebend über uns hinweg fliegen. Zudem können wir mehrmals in die Kinderstube von Gabelschwanzmöwen gucken, da diese ihre Eier in unmittelbarer Umgebung des markierten Fusspfads ablegen, da brüten und die Jungen aufziehen. Alle beobachteten Paare mit Nachwuchs haben nur ein Junges. Wir können zudem beobachten, wie ein Fregattvogel einen Rotschnabeltropikvogel angreift und mit den Krallen packen will, aber der Tropikvögel wehrt sich gegen diese Attacke erfolgreich und kann fliehen. Leider ist das unsere letzte Exkursion von der Galaxy aus. Heute ist noch Wellfare-Apero und Nachtessen. Dann fährt unser Schiff nach Santa Cruz in den Hafen von Ayora, wo wir noch in unserer Kabine schlafen werden.

18. Tag: Samstag, 16.08.14

Nach einer wellenreichen Nacht mit mehreren Schlafunterbrüchen werden wir morgens um halb sieben geweckt. Nach dem Morgenessen packen wir unsere Koffer fertig, geben Rückmeldung und Trinkgelder ab, stellen unsere Koffer hinaus auf Deck, fassen unsere Schwimmwesten, verabschieden uns von der Schiffsbesatzung und werden mit den beiden Dinghies an Land gebracht, und zwar zur Aufzuchtstation von Riesenschildkröten. Diese urtümlichen Viecher waren vor Jahrhunderten auf den Inseln in grosser Zahl heimisch, wurden dann aber nach und nach sehr stark dezimiert, da sie den Seefahrern, die hier anlegten, als lebende Fleischkonserven dienten. In dieser Station werden die Schildkröten erfolgreich gehalten und gezüchtet, um sie später wieder auf den Inseln, auf denen sie heimisch sind, auszusetzen. In Freiheit haben wir bisher nur Meeresschildkröten gesehen, hier können wir ausgewachsene Riesenschildkröten in Gehegen bestaunen. Es ist beeindruckend, mit welcher Langsamkeit sie sich bewegen. Wir sehen auch Jungtiere verschiedenen Alters. Was ich speziell interessant finde, ist die Methode, wie das Geschlecht der Tiere festgelegt wird. Ausschlaggebend ist die Bruttemperatur für die Eier. Liegt diese bei 28° Celsius, so schlüpfen weibliche Tiere, beträgt sie 29.5°, so schlüpfen Männchen aus dem Ei. Schildkröten von verschiedenen Inseln lassen sich nicht erfolgreich miteinander kreuzen.
Der Rest des Tages ist für den Transfer nach Puerto Villamil auf der Isla Isabela reserviert. Puerto Ayora ist ein typischer Touristenort mit Souvenir- und Schmuckläden, Reiseagenturen, Restaurants und Hotels. Im Hafen herrscht geschäftiges Treiben. Von hier aus werden einerseits die Kreuzfahrtyachten mit Lebensmitten versorgt, andrerseits ist hier offenbar ein wichtiger Zu- und Umsteigeort.
Um halb zwei müssen wir am Hafen sein. René hat organisiert, dass unser Gepäck bereits dahin transportiert worden ist. Er hat für uns das Ticket für die Überfahrt nach Isabela besorgt, ein handgeschriebener Zettel. Nun suchen die Schnellbootfahrer oder ihre Gehilfen mit handgeschriebenen Passagierlisten in der Hand krampfhaft ihre Kunden. Irgendwann findet uns der beauftragte Gehilfe. Unser Gepäck wird nun einen Holzsteg hinunter zu einer Anlegestelle gebracht und dort zusammen mit uns auf ein Taxiboot verladen, das uns für einen halben Dollar pro Person zum Schnellboot GABI bringt. Nun können wir umsteigen, und das Gepäck wird umgeladen. Das Schnellboot ist nicht gerade das, was wir uns als Schweizer Touristen unter einem solchen Gefährt vorstellen. Margrit und ich sitzen nebeneinander zuvorderst auf der linken Längsbank unter Dach, via-á-vis des Fahrers, der auf einem Hochsitz thront. Hinter uns sitzen die übrigen rund 20 Passagiere dicht an dicht. René, Annemarie und Laura haben das Glück, dass sie zuhinterst auf der Querbank, also in Fahrtrichtung, und zudem im Freien sitzen können mit genügend Frischluftzufuhr. Die Fahrt geht los, noch mit gedrosselten Motoren im Hafenbereich, dann aber volle Pulle Richtung Südwesten. Die Meeresoberfläche ist unruhig, die Wellen hoch. Vorsichtshalber haben wir beide eine Reisetablette geschluckt, was sich bewährt, denn wir überstehen die gut zweieinhalbstündige Fahrt gut. Es wird sehr heiss in der Kabine, und ich ziehe die Schwimmweste mit dem stillen Einverständnis unseres Fahrers aus. Nun heisst es einfach, die Enge durchzuhalten. Kurz vor fünf gelangen wir in den Hafen von Puerto Villamil, wo uns nach einigem Warten ein Taxi abholt und zum Landungssteg bringt, allerdings mit dem Unterschied, dass hier der Taxidienst doppelt so teuer ist. Wir werden von einem Pickup abgeholt. Hintendrauf werden die Koffer geladen plus Nadja und ich. Der Rest der Reiseteilnehmenden setzt sich in die Kabine. Glücklich gelangen wir so zu unserem Hotel, wo uns eine herrliche Dusche erwartet.
Das Nachtessen geniessen wir nach einem Rundgang im Dorf in einem Gartenrestaurant im Zentrum.

19. Tag: Sonntag, 17.08.14


Um ca. sechs Uhr sind wir wach. Was erwartet uns heute?
Nach dem Morgenessen spazieren wir alle gemeinsam zur Schildkröten-Aufzuchtstation von Isabela, die etwas westlich von Puerto Villamil liegt. Dorthin gelangt man über einen speziell angelegten Fussweg mit langen Holzstegen über verschiedene Lagunen. In diesen können wir einerseits schwimmende Leguane entdecken, andererseits sind hier auch verschiedene Wasservögel zuhause. Wir können die Bahamaente, den Stelzenläufer, den amerikanischen Sandregenpfeifer, den Regenbrachvogel, das Teichhuhn und den Krabbenreiher bestimmen. Nachdem wir uns längere Zeit in der attraktiv gestalteten Schildkrötenstation aufgehalten und hier heimische Riesenschildkröten in allen Lebensaltern gesehen haben, gehen wir noch zu einer nächsten Lagune. Darin stolzieren rund ein Dutzend Rosaflamingos herum und sieben sich mit ihrem darauf spezialisierten Schnabel ihre Nahrung aus dem seichten Brackwasser. Dazu trampeln sie mit ihren Füssen in schneller Folge auf den Untergrund, ich denke, um diesen und damit Organismen aufzuwirbeln. Dabei erzeugen sie schmatzende Geräusche. Auf unserem Spaziergang begegnen wir noch weiteren Vögeln, u.a. dem bisher nie beobachteten Glattschnabel-Ani. Danach ist ein Mittagessen fällig in einem wunderschön am Strand gelegenen „ Beizli“ unter einem Sonnenschirm. Wir werden freundlich bedient und mit vorzüglichen Spezialitäten versorgt, z.B. Ceviche, Tintenfisch mit Knoblauchsauce, frischen Shrimps, Kochbananen…
Den Nachmittag gestalten alle individuell. Ich widme mich der Bestimmung der beobachteten Vögel und gehe anschliessend noch etwas im Meer schwimmen. Dann mache ich mit Margrit einen Spaziergang im Dorf. Zum Nachtessen gehen wir wieder zusammen in ein Restaurant und beschliessen, am nächsten Tag zu Fuss zur Mauer der Tränen zu gehen. 

20. Tag: Montag, 18.08.14


Schon um fünf sind wir wach. Ein Hahn kräht unermüdlich. Um sechs hören wir Kinder plaudern, schreien und lachen. Dazu poltert es immer wieder, so als ob sie auf einem Holzboden herumtrampelten. Ich gehe hinaus und umrunde das Hotel. Da scheint wirklich eine Schulklasse mit ihrem Lehrer Turnunterricht zu haben. Auf dem neben dem Hotel liegenden Basket- und Volleyballfeld sitzen jetzt Jugendliche geordnet im Kreis und führen die Dehnungs- und Steckübungen durch, die der Lehrer ihnen vormacht. Frühstunde auf ecuadorianisch!
Nach dem Morgenessen machen wir uns für die Wanderung zur Muro de las Lágrimas auf. Rund 8 km soll ein Weg messen. Diese Mauer wurde in den Jahren zwischen 1946 und 1959 von Sträflingen, die auf der Insel in einem Gefangenenlager eingesperrt waren, mit grossen Lavabrocken erstellt. Ihr Bau diente offenbar ausschliesslich der Beschäftigung dieser Sträflinge. Die Mauer erfüllte sonst keinen Zweck. Die Häftlinge litten unter den grausamen Haftbedingungen und starben frühzeitig. Kurz vor dem Bauwerk ist ihnen eine Gedenktafel gewidmet. Die Mauer besteht aus lauter behauenen Lavasteinen und weist am Fuss eine   Dicke von gegen zehn m auf. Die Mauerlänge schätze ich auf gegen hundert Meter.
Auf unserer Wanderung kommen wir wieder an Lagunen vorbei, worin dieselben Wasservögel heimisch sind, die wir schon gestern beobachten konnten. Am Strand, der teilweise parallel zum Weg verläuft, sind vor allem Regenbrachvögel in grosser Zahl auf Nahrungssuche. Der Hit sind die insgesamt drei oder vier Riesenschildkröten, die wir frei lebend am Strassenrand vorfinden. Sie sehen schon urtümlich aus, diese Viehcher. Und sie posieren wunderbar für unsere Fotos.
Ein weiterer Höhepunkt ist ein Mirador. Ein steiler Weg führt uns zu Metalltreppen, die auf einem Hügel, auf einer Plattform, enden. Von da aus haben wir eine prächtige Sicht aufs Meer hinaus und ins Hinterland. Leider hangen die Wolken tief, so dass wir den Vulkan Sierra Negra nicht sehen. Nur der Fuss des Kegels ist sichtbar.
Mit einem Taxi, das Nadia bestellen liess, fahren wir zurück und geniessen anschliessend ein frisch zubereitetes Mittagessen in „unserem Beizli“, zur Freude des Wirts.
Am Abend stellt sich aber heraus, dass uns nicht der bestellte Taxifahrer mitnahm, sondern ein anderer, der, als er gefragt wurde, ob er Edoardo sei, diese Frage bejahte. Der bestellte Fahrer meldet sich im Hotel und verlangt den ihm entgangenen Fahrpreis. Nadia bezahlt ihm zehn Dollar, womit er dann zufrieden ist.
Ich genehmige mir noch ein erfrischendes Bad im Pazifik und eine letzte Dusche auf Isabela. Das letzte Abendessen in Ecuador und auf den Galapagos steht noch an. Ich liebe hier die Fischtranchen vom Holzkohlengrill, das wird wohl die letzte sein für längere Zeit. Auch sie schmeckt wunderbar. Wir verabschieden uns von Laura und Annemarie, die noch zwei weitere Nächte auf der Insel Isabela verbringen werden.

21. Tag: Dienstag, 19.08.14
Wir fahren heim. Um 5.20 Uhr werden wir vom Taxi im Hotel abgeholt und mit allem Gepäck zum Hafen gebracht. Dort besteigen wir unser Schnellboot, diesmal etwas moderner und mit mehr Platz. Da das Meer relativ ruhig ist, dauert die Fahrt nach Puerto Ayora keine zwei Stunden. Hier erwartet uns wieder ein Taxi, das uns über die Insel Santa Cruz zur Fähre hinüber nach Baltra bringt. In Baltra müssen wir nun warten, bis das Flugzeug nach Guayaquil landet. Und nun geht es Schlag auf Schlag: Ruhiger Flug nach Guayaquil, Abschied von René, der nach Quito fliegt, Warten, sehr ruhiger Flug nach Amsterdam!
 
22. Tag: Mittwoch, 20.08.14
Am frühen Nachmittag landen wir in Amsterdam bei Regen und müssen auf den Flieger nach Zürich umsteigen. Bei der Sicherheitskontrolle wird mir die tropische Konfitüre (Maracuja und andere Früchte), die Margrit für mich auf der Isla Isabela in einer Kooperative erstanden hat, leider, leider abgenommen, mit der Begründung, das sei eine Flüssigkeit. Der Flug nach Zürich ist kurz und angenehm zu ertragen. Da werden wir bereits von Tochter und Grosskindern erwartet und nach Hause gefahren. Es war eine tolle Reise! Und trotzdem ist es schön, wieder zuhause zu sein.

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